Nicht fingersbreit Spielraum wollt' ich dem Zufall
über mich lassen. Herr seines Schicksals bleiben,
so viel am eigenen Verstand und Willen liegt,
ist eine schöne Sache.

(Mörike)

Herbstgedichte von Mörike

Mit seinem Gedicht Septembermorgen hat er eines der bekanntesten Herbstgedichte geschrieben. Die Rede ist von Eduard Mörike, dem bekannten deutschen Lyriker, Übersetzer und Erzähler. Hier erhalten Sie schöne Herbstreime und Verse, Poesie und kurze Sprüche dieses berühmten Dichters. Gedichte, die von Abschied, Vergänglichkeit, Nebel, der gedämpften Welt des milden Lichtes erzählen, von Wein und Liebe.

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen;
bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fliessen.

(Eduard Mörike, 1804-1875, deutscher Lyriker, Erzähler, Übersetzer)

S P R U C H
Man muss immer etwas haben, auf das man sich freut, und das ist schon eine gescheite Gewohnheit, sich einen Wunsch vorzunehmen, auf dessen Erfüllung man spart.

(Mörike)

Wechsellied beim Weine

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
gleich erwärmet meine Seele
und beginnt in hellen Tönen
einen Preisgesang der Musen.

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
alsbald streu' ich meinen Kummer,
all' mein Zweifeln, all' mein Sorgen
in den Braus der Meereswinde.

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
läßt mich Bakchos, der der Scherze
Bande löset Blumen atmend,
süß berauscht im Tanze schwanken.

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
wind' ich Blumen mir zu Kränzen,
schmücke meine Stirne, singe
von des Lebens stillem Glücke.

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
mag ich, schön von Salbe duftend,
und im Arm das Mädchen haltend,
gerne nach Kythere singen.

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
wie entzückt ein Kreis von Mädchen
mich, wo volle, tiefe Becher
erst mir Geist und Sinn erweitern!

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
mir vor Tausenden gewinn' ich,
was ich scheidend mit mir nehme;
doch den Tod teil' ich mit Allen.

(Eduard Mörike, 1804-1875, deutscher Lyriker, Erzähler, Übersetzer)

S P R U C H kurz
Doch besser dünkt ja allen was vergangen ist.

(Goethe)

An meine Mutter

Siehe, von allen den Liedern nicht
eines gilt dir, o Mutter:
Dich zu preisen, o glaub's! bin ich zu
arm und zu reich.
Ein noch ungesungenes Lied, ruhst du
mir im Busen,
keinem vernehmbar sonst, mich nur
zu trösten bestimmt.
Wenn sich das Herz unmutig der
Welt abwendet und einsam
seines himmlischen Teils bleibenden
Frieden bedenkt.

(Eduard Mörike, 1804-1875, deutscher Lyriker, Erzähler, Übersetzer)

Agnes

Rosenzeit! Wie schnell vorbei,
Schnell vorbei
Bist du doch gegangen!
Wär mein Lieb nur blieben treu,
Blieben treu,
Sollte mir nicht bangen.

Um die Ernte wohlgemut,
Wohlgemut
Schnitterinnen singen.
Aber, ach! mir krankem Blut,
Mir krankem Blut
Will nichts mehr gelingen.

Schleiche so durchs Wiesental,
So durchs Tal,
Als im Traum verloren,
Nach dem Berg, da tausendmal,
Tausendmal
Er mir Treu geschworen.

Oben auf des Hügels Rand,
Abgewandt,
Wein ich bei der Linde;
An dem Hut mein Rosenband,
Von seiner Hand,
Spielet in dem Winde.

(Eduard Mörike, 1804-1875, deutscher Lyriker, Erzähler, Übersetzer)

S P R U C H kurz
Wer keinen Humor hat, sollte eigentlich nicht heiraten.

(Mörike)

Sehnsucht

In dieser Winterfrühe
wie ist mir doch zumut!
O Morgenrot, ich glühe
vor deinem Jugendblut.

Es glüht der alte Felsen
und Wald und Burg zumal,
berauschte Nebel wälzen
sich jäh hinab ins Tal.

Mit tatenfroher Eile
erhebt sich Herz und Sinn
und flügelt goldne Pfeile
durch alle Ferne hin.

Ach wohl! was aus mir singet
ist nur der Liebe Glück,
die wirren Töne schlinget
sie sanft in sich zurück.

(Eduard Mörike, 1804-1875, deutscher Lyriker, Erzähler, Übersetzer)

S P R U C H
Eines kann ich nicht, es kann's kein Mensch – dich über deine Zukunft beruhigen! Du kannst es!

(Mörike)

Zwei Liebchen

Ein Schifflein auf der Donau schwamm,
Drin saßen Braut und Bräutigam,
Er hüben und sie drüben.

Sie sprach: "Herzliebster, sage mir,
Zum Angebind, was geb ich dir?"

Sie streift zurück ihr Ärmelein,
Sie greift ins Wasser frisch hinein.

Der Knabe, der tät gleich also,
Und scherzt mit ihr und lacht so froh.

"Ach, schöne Frau Done, geb sie mir
Für meinen Schatz eine hübsche Zier!"

Sie zog heraus ein schönes Schwert,
Der Knab hätt lang so eins begehrt.

Der Knab, was hält er in der Hand?
Milchweiß ein köstlich Perlenband.

Er legt's ihr um ihr schwarzes Haar,
Sie sah wie eine Fürstin gar.

"Ach, schöne Frau Done, geb' sie mir
Für meinen Schatz eine hübsche Zier!"

Sie langt hinein zum andernmal,
Faßt einen Helm von lichtem Stahl.

Der Knab vor Freud entsetzt sich schier,
Fischt ihr einen goldnen Kamm dafür.

Zum dritten sie ins Wasser griff:
Ach weh! da fällt sie aus dem Schiff.

Er springt ihr nach, er faßt sie keck,
Frau Done reißt sie beide weg:

Frau Done hat ihr Schmuck gereut,
Das büßt der Jüngling und die Maid.

Das Schifflein leer hinunterwallt;
Die Sonne sinkt hinter die Berge bald.

Und als der Mond am Himmel stand,
Die Liebchen schwimmen tot ans Land,
Er hüben und sie drüben.

(Eduard Mörike, 1804-1875, deutscher Lyriker, Erzähler, Übersetzer)

S P R U C H
Identifikation: Kann auch ein Mensch des andern auf der Erde ganz, wie er möchte, sein? In langer Nacht bedacht' ich mir's und mußte sagen: Nein!

(Mörike)

Rat einer Alten

Bin jung gewesen,
Kann auch mitreden,
Und alt geworden,
Drum gilt mein Wort.

Schöne reife Beeren
Am Bäumchen hangen:
Nachbar, da hilft kein
Zaun um den Garten;
Lustige Vögel
Wissen den Weg.

Aber, mein Dirnchen,
Du laß dir raten:
Halte dein Schätzchen
Wohl in der Liebe,
Wohl im Respekt!

Mit den zwei Fädlein
In eins gedrehet,
Ziehst du am kleinen
Finger ihn nach.

Aufrichtig Herze,
Doch schweigen können,
Früh mit der Sonne
Mutig zur Arbeit,
Gesunde Glieder,
Saubere Linnen,
Das machet Mädchen
Und Weibchen wert.

Bin jung gewesen,
Kann auch mitreden,
Und alt geworden,
Drum gilt mein Wort.

(Eduard Mörike, 1804-1875, deutscher Lyriker, Erzähler, Übersetzer)

Zum neuen Jahr

Wie heimlicher Weise
Ein Engelein leise
Mit rosigen Füßen
Die Erde betritt,
So nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, Ihr Frommen,
Ein heilig Willkommen,
Ein heilig Willkomen!
Herz, jauchze du mit!

In ihm sei’s begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!

(Eduard Mörike, 1804-1875, deutscher Lyriker, Erzähler, Übersetzer)

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